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<title>Lüge</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Lüge</span></h1>
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<p>Eine <b>Lüge</b> ist eine <a href="Aussage" title="Aussage">Aussage</a>, von der der <a href="Sender-Empf%C3%A4nger-Modell" title="Sender-Empfänger-Modell">Sender</a> (<i>Lügner</i>) – anders als bei der <a href="Unwahrheit" class="mw-redirect" title="Unwahrheit">Unwahrheit</a> – weiß oder vermutet, dass sie un<a href="Wahrheit" title="Wahrheit">wahr</a> ist, sie aber mit der Absicht äußert, dass der <a href="Sender-Empf%C3%A4nger-Modell" title="Sender-Empfänger-Modell">Empfänger</a> sie glaubt,<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder anders formuliert „die (auch nonverbale) Kommunikation einer subjektiven Unwahrheit mit dem Ziel, im Gegenüber einen falschen Eindruck hervorzurufen oder aufrecht zu erhalten [sic].“<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Lügen dienen dazu, einen Vorteil zu erlangen, zum Beispiel um einen Geldgewinn zu erlangen, eine Wahlentscheidung zu beeinflussen oder um Fehler oder eine verbotene Handlung zu verdecken und so <a href="Kritik" title="Kritik">Kritik</a> oder <a href="Strafe" title="Strafe">Strafe</a> zu entgehen. Gelogen wird auch aus <a href="H%C3%B6flichkeit" title="Höflichkeit">Höflichkeit</a>, aus <a href="Schamgef%C3%BChl" title="Schamgefühl">Scham</a>, aus <a href="Angst" title="Angst">Angst</a>, <a href="Furcht" title="Furcht">Furcht</a>, <a href="Unsicherheit" title="Unsicherheit">Unsicherheit</a> oder <a href="Not" title="Not">Not</a> („Notlüge“), um die Pläne des Gegenübers zu vereiteln oder zum Schutz der eigenen Person, anderer Personen oder Interessen (z.&nbsp;B. <a href="Privatsph%C3%A4re" title="Privatsphäre">Privatsphäre</a>, <a href="Intimsph%C3%A4re" title="Intimsphäre">Intimsphäre</a>, wirtschaftliche Interessen), zwanghaft/pathologisch, um <a href="Harmonie" title="Harmonie">Harmonie</a> herzustellen, <a href="Die_Zwietracht" title="Die Zwietracht">Zwietracht</a> zu säen oder eine <a href="Intrige" title="Intrige">Intrige</a> zu spinnen.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Allgemeines">Allgemeines</h2></div>
<p>Von einer Lüge spricht man nur dort, wo ein ernsthafter Verstoß gegen die <a href="Sitte" title="Sitte">Sitten</a> gesehen wird. Soll ein persönliches Verständnis für eine bewusste Falschaussage geäußert werden, verwendet man umgangssprachliche Ausdrücke wie <i>Geschwindel</i> (Verb: schwindeln) oder <i>Flunkerei</i> (Verb: flunkern), so z.&nbsp;B. in Zusammenhang mit einem Scherz, bei <a href="%C3%9Cberforderung#Psychologie" title="Überforderung">emotionaler Überforderung</a>, wenn ein <a href="Sachverhalt" title="Sachverhalt">Sachverhalt</a> nur etwas beschönigt wird (<a href="Euphemismus" title="Euphemismus">Euphemismus</a>) oder wenn die ausgedrückte <a href="Unwahrheit" class="mw-redirect" title="Unwahrheit">Unwahrheit</a> unmittelbar wieder zurückgenommen wurde.
</p><p>Das umgangssprachliche Wort <i>Schwindel</i> hingegen bezeichnet entweder eine wiederum ernsthaftere Täuschungshandlung in Kombination mit einer gemeinen Lüge (z.&nbsp;B. Betrug) oder einen Scherz mit weitreichenden Folgen (z.&nbsp;B. <a href="Aprilscherz" title="Aprilscherz">Aprilscherz</a>, <a href="Fake" title="Fake">Fake</a>).
</p><p>Die Lüge unterscheidet sich von der <a href="T%C3%A4uschung" title="Täuschung">Täuschung</a> dahingehend, dass eine Täuschung ohne das Mittel einer falschen Aussage verübt werden kann. Zum Beispiel täuscht man, wenn man vorgibt zu schlafen, um andere zu belauschen. Wenn man dann gefragt wird und sagt, man habe geschlafen, ist das eine Lüge. In der <a href="Werbung" title="Werbung">Werbung</a>, im <a href="Verkaufsgespr%C3%A4ch" title="Verkaufsgespräch">Verkaufsgespräch</a> und in der politischen <a href="Propaganda" title="Propaganda">Propaganda</a> wird oft mit Lügen und Täuschungen gearbeitet.
</p><p>Die Lüge ist auf Sprache angewiesen: Lügen können in jeder Form geäußert werden, in der mit Sprache <a href="Kommunikation" title="Kommunikation">kommuniziert</a> wird, zum Beispiel als <a href="Text" title="Text">Text</a> in einer Zeitung oder in <a href="Geb%C3%A4rdensprache" title="Gebärdensprache">Gebärdensprache</a>.
</p><p>In der zwischenmenschlichen Kommunikation werden unterschieden:
</p>
<ul><li>soziale Lüge</li>
<li>Notlüge</li>
<li>Zwecklüge</li>
<li>vorsätzliche (dissoziale) Lüge</li>
<li>zwanghafte, pathologische Lüge (<a href="Pseudologie" title="Pseudologie">Pseudologie</a>)</li>
<li><a href="Ausrede" title="Ausrede">Ausrede</a></li></ul>
<p>Die <i>soziale Lüge</i> soll dem Wohl des Belogenen oder der Harmonie einer Gruppe dienen. Diese Art der Lüge soll meist dem friedlichen Miteinander und der Leistungsmotivation nützen.
</p><p>Die <i>vorsätzliche Lüge</i> oder auch gemeine bzw. verbrecherische Lüge hat den eigenen Vorteil zum Zweck und nimmt den Nachteil von Mitmenschen billigend in Kauf. Bei der <a href="Intrige" title="Intrige">Intrige</a> (von <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a></span> <span lang="la-Latn" style="font-style:italic">intricare</span>, in Verlegenheit bringen) ist der Nachteil Anderer sogar das angestrebte Ziel.
</p><p><i>Zwanghaftes Lügen</i> wurde in der <a href="Psychiatrie" title="Psychiatrie">Psychiatrie</a> gelegentlich als <i><a href="Pseudologie" title="Pseudologie">Pseudologie</a></i> bezeichnet. Heutzutage sieht man darin jedoch kein eigenständiges Krankheitsbild mehr, sondern ein mögliches <a href="Symptom" title="Symptom">Symptom</a> der <a href="Narzisstische_Pers%C3%B6nlichkeitsst%C3%B6rung" title="Narzisstische Persönlichkeitsstörung">narzisstischen Persönlichkeitsstörung</a>.
</p><p>Der Autor <a href="Brad_Blanton" title="Brad Blanton">Brad Blanton</a> schlägt vor, auch Verhaltensweisen wie Informationszurückhaltung, <a href="Besch%C3%B6nigung" class="mw-redirect" title="Beschönigung">Beschönigung</a> und <a href="%C3%9Cbertreibung" class="mw-redirect" title="Übertreibung">Übertreibung</a>, aber auch soziale Phänomene wie <a href="Taktgef%C3%BChl" title="Taktgefühl">Taktgefühl</a>, <a href="Diplomatie" title="Diplomatie">Diplomatie</a> als Formen der Lüge zu werten.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Rechtliches">Rechtliches</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Strafrecht">Strafrecht</h3></div>
<p>Grundsätzlich ist Lügen nicht strafbar, unabhängig davon, ob man sich mündlich oder schriftlich äußert. Ein Angeklagter darf zur Sache immer schweigen, aber auch lügen, um sich selbst zu entlasten, man spricht dann von einer <a href="Schutzbehauptung" title="Schutzbehauptung">Schutzbehauptung</a>. <a href="Strafrecht" title="Strafrecht">Strafrechtlich</a> relevant werden kann eine Lüge als <a href="Verleumdung_(Deutschland)" title="Verleumdung (Deutschland)">Verleumdung</a>. Zeugen sind bei Vernehmungen stets dazu verpflichtet, die Wahrheit zu sagen. Eine Lüge stellt ein <a href="Aussagedelikt" title="Aussagedelikt">Aussagedelikt</a> dar, wie zum Beispiel <a href="Falsche_uneidliche_Aussage" title="Falsche uneidliche Aussage">Falschaussage</a> oder <a href="Meineid" title="Meineid">Meineid</a>. Als Spezialfall der Täuschung kann eine Lüge auch ein <a href="Betrug_(Deutschland)" title="Betrug (Deutschland)">Betrugsdelikt</a> darstellen, wenn es dadurch zu einer Vermögensschädigung der getäuschten Person kommt. Schriftliche Lügen können strafbar sein, wenn man zur wahrheitsgemäßen Protokollierung verpflichtet ist (<span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__348.html">§&nbsp;348</a></span> <a href="Strafgesetzbuch_(Deutschland)" title="Strafgesetzbuch (Deutschland)">StGB</a> – <a href="Falschbeurkundung_im_Amt" title="Falschbeurkundung im Amt">Falschbeurkundung im Amt</a>).
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zivilrecht">Zivilrecht</h3></div>
<p>Auch zivilrechtlich ist niemand verpflichtet, in jedem Kontext die Wahrheit zu sagen. In Vorstellungsgesprächen darf zum Beispiel bei bestimmten Fragen gelogen werden. So entschied das <a href="Bundesarbeitsgericht" title="Bundesarbeitsgericht">Bundesarbeitsgericht</a> am 19.&nbsp;Mai 1983,<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> dass Lügen bei nicht relevanten Fragen, im abgeurteilten Fall die bisherige Höhe des Gehaltes, keine Anfechtung des Arbeitsvertrages wegen <a href="T%C3%A4uschung" title="Täuschung">Täuschung</a> rechtfertigt. Auch das Vorliegen einer Schwangerschaft darf verheimlicht werden,<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> sofern der Arbeitsplatz kein gesundheitliches Risiko für Schwangere darstellt, z.&nbsp;B. wegen <a href="Infektiosit%C3%A4t" title="Infektiosität">Infektiosität</a> oder <a href="Strahlenexposition" title="Strahlenexposition">Strahlenexposition</a>. Auch <a href="Vorstrafen" class="mw-redirect" title="Vorstrafen">Vorstrafen</a> dürfen verheimlicht werden, sofern sie im <a href="Bundeszentralregister" title="Bundeszentralregister">Bundeszentralregister</a> gemäß dem <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.gesetze-im-internet.de/bzrg/__53.html">§&nbsp;53</a></span> <a href="Bundeszentralregistergesetz" title="Bundeszentralregistergesetz">Bundeszentralregistergesetz</a> gelöscht wurden.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gefälschte Zeugnisse jedoch stellen auch nach Jahren noch einen Kündigungsgrund dar.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nach Studien der Control Risk Group machen in Deutschland rund 12&nbsp;% der Bewerber falsche Angaben über ihren beruflichen Werdegang. Im Einzelnen schummeln 30&nbsp;% bei den Daten zur Beschäftigung, 18&nbsp;% bei den Qualifikationen, 13&nbsp;% bei den Gehaltsangaben, 11&nbsp;% bei den Daten zum Lebenslauf, 6&nbsp;% bei den Angaben zum Verhältnis zum ehemaligen Arbeitgeber, 4&nbsp;% bei der Position und 1&nbsp;% bei den Angaben zur <a href="Delegation_(Organisationskonzept)#Harzburger_Modell" title="Delegation (Organisationskonzept)">Führungsverantwortung</a>.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Auch Arbeitgeber <a href="Desinformation" title="Desinformation">desinformieren</a> in Bewerbergesprächen. Nach Hesse/Schrader<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> gilt es in Vorstellungsgesprächen als ein gutes Zeichen, wenn ein vermeintlicher Makel wie z.&nbsp;B. <a href="Gewerkschaft" title="Gewerkschaft">Gewerkschaftsengagement</a> angesprochen wird, weil die Arbeitgeber tendenziell vermeiden, tatsächliche Ausscheidensgründe anzusprechen, besonders wenn sie nicht <a href="Verfahrensrecht" title="Verfahrensrecht">justiziabel</a> sind. Beispiel für nicht justiziable Ausscheidungsgründe sind Geschlecht, Konfession, Parteizugehörigkeit, Gewerkschafts- oder Betriebsratsengagement etc.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Geschäftsordnung_des_Deutschen_Bundestags"><span id="Gesch.C3.A4ftsordnung_des_Deutschen_Bundestags"></span>Geschäftsordnung des Deutschen Bundestags</h3></div>
<p>Im <a href="Deutscher_Bundestag" title="Deutscher Bundestag">Deutschen Bundestag</a> gilt es als unstatthaft, einen Abgeordneten der Lüge zu zeihen. Dies wird regelhaft mit einem <a href="Ordnungsruf" title="Ordnungsruf">Ordnungsruf</a> oder mit einer <a href="Ordnungsruf#Deutschland" title="Ordnungsruf">Rüge</a> durch den <a href="Pr%C3%A4sident_des_Deutschen_Bundestages" title="Präsident des Deutschen Bundestages">Bundestagspräsidenten</a> geahndet. Nicht geahndet wird es dagegen, wenn einem Abgeordneten unterstellt wird, er habe die Unwahrheit gesagt, weil dies die Möglichkeit impliziert, er habe sich nur <a href="Irrtum" title="Irrtum">geirrt</a>. Auch der Vorwurf, jemand habe „wissentlich die Unwahrheit“ gesagt, zieht gemeinhin keine Ordnungsmaßnahme nach sich.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Recht_auf_L%C3%BCge" title="Recht auf Lüge">Recht auf Lüge</a></div>
<div class="hintergrundfarbe1 rahmenfarbe1 navigation-not-searchable" style="border-top-style: solid; border-top-width: 1px; clear: both; font-size:95%; margin-top:1em; padding: 0.25em; overflow: hidden; word-break: break-word; word-wrap: break-word;" id="Vorlage_Rechtshinweis"><div class="noviewer noresize nomobile" style="display: table-cell; padding-bottom: 0.2em; padding-left: 0.25em; padding-right: 1em; padding-top: 0.2em; vertical-align: middle;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="skin-invert" typeof="mw:File"></span></div>
<div style="display: table-cell; vertical-align: middle; width: 100%;">
<div>
Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!</div>
</div></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Psychologie">Psychologie</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Psychologische_Forschung">Psychologische Forschung</h3></div>
<p>In der psychologischen Forschung können mehrere Ansätze unterschieden werden, die jeweils darauf abzielen, Merkmale zu bestimmen, mit Hilfe welcher die Unterscheidung zwischen einer wahren und einer falschen Erinnerung bzw. Aussage möglich ist.
</p><p>Der Fokus kann entweder auf der Erinnerung liegen oder auf der Person, um deren Erinnerung es sich handelt. Weiterhin muss zwischen der bewussten und unbewussten Lüge differenziert werden, da sich die Verhaltensmerkmale der Personen und Inhalte der Aussagen in beiden Fällen unterscheiden.
</p><p>Legt man den Fokus auf die Person, kann man zum Beispiel herausfinden, ob die Person in ihrer Vergangenheit schon häufiger gelogen hat, was ein Hinweis sein könnte. Weitere Möglichkeiten bestehen in der Analyse von verschiedenen Verhaltensmerkmalen oder auch <a href="Mikroexpression" title="Mikroexpression">Mikroexpressionen</a> in der Mimik. Dies lässt sich jedoch nur anwenden, wenn es sich um eine bewusste Lüge handelt.
</p><p>Bei der Fokussierung auf die Erinnerung werden die Inhalte nach Hinweisen untersucht, die falsche Erinnerungen von wahren Erinnerungen unterscheiden. Kriterien zur Untersuchung sind die logische Struktur, der Anteil an Details und weitere. Ein Problem der unbewussten Lüge besteht darin, dass die Erinnerungen sehr detailliert und reich an Informationen sein können und somit schwer von einer wahren Erinnerung unterschieden werden können.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Psychiatrisch-psychotherapeutische_Unterscheidungen">Psychiatrisch-psychotherapeutische Unterscheidungen</h3></div>
<p>Psychotherapeutisch wird unterschieden zwischen unbewussten und bewussten Lügen. Mit dem Problem der <a href="False-Memory-Syndrom" class="mw-redirect mw-disambig" title="False-Memory-Syndrom">falschen Erinnerung</a> beschäftigt sich die <a href="Glaubw%C3%BCrdigkeit" title="Glaubwürdigkeit">Glaubwürdigkeitsbegutachtung</a>. Als <a href="Konfabulation" title="Konfabulation">Konfabulation</a> bezeichnet man eine sinnlos phantastische Ausdeutung für <a href="Retrograde_Amnesie" title="Retrograde Amnesie">Erinnerungslücken</a>, die im Rahmen einer exogenen <a href="Psychose" title="Psychose">Psychose</a> auftreten und typisch für das <a href="Korsakow-Syndrom" title="Korsakow-Syndrom">Korsakow-Syndrom</a> (= Sekundengedächtnis + Konfabulation + <a href="Orientierung_(mental)" title="Orientierung (mental)">Desorientiertheit</a>) bei <a href="Alkoholkrankheit" title="Alkoholkrankheit">Alkoholmissbrauch</a> sind.
</p><p>Nach <a href="Heinz_Kohut" title="Heinz Kohut">Heinz Kohut</a> unterscheiden wir bei den unbewussten Lügen solche, die Ergebnis einer frühkindlichen Verwahrlosung sind (<a href="Pseudologie" title="Pseudologie">Pseudologie</a>), von Lügen, die Ergebnis einer unzureichenden Verinnerlichung elterlicher Normen im Rahmen der <a href="%C3%96dipuskomplex" class="mw-redirect" title="Ödipuskomplex">ödipalen Phase</a> entstanden sind. Ein <a href="Gewissen" title="Gewissen">Gewissen</a> aus Einsicht entwickelt sich nach dem allgemeinen psychoanalytischen Verständnis lebensgeschichtlich erst in der phallisch-ödipalen Phase etwa im 4. bis 6. Lebensjahr. Der Vorläufer eines Gewissens aus Einsicht ist nach <a href="Eberhard_Schorsch" title="Eberhard Schorsch">Schorsch</a> das sogenannte präödipale Gewissen, das sich aus einer Strafangst und einem Kontrollbedürfnis entwickelt.
</p><p>Bewusste, vorsätzliche Lügen stellen in der Psychotherapie oft ein großes Problem dar. <a href="L%C3%A9on_Wurmser" title="Léon Wurmser">Léon Wurmser</a> (1999) machte auf das Problem der institutionellen Verankerung der bewussten Lüge aufmerksam. Als Beispiele nennt er Krankenhäuser, Universitäten sowie Politik und Wirtschaft. Er habe viele Patienten, bei denen das Lügen eine Gewohnheit sei, die erst in der Psychotherapie fragwürdig und dann zu einem gewichtigen Gewissens<a href="Dilemma" title="Dilemma">dilemma</a> werde. Er selbst habe kaum je in einer Institution gearbeitet, wo das Lügen nicht zu einem Hauptinstrument der Macht, der Administration, geworden sei und die Weigerung daran teilzunehmen als Schwäche oder gar als <a href="Verrat" title="Verrat">Verrat</a> behandelt worden wäre. Gewöhnlich werde nicht bedacht, dass kein Vertrauen in einer Gesellschaft möglich sei, in der Täuschung und Lügen geduldet, ja gepriesen werden und sich ein Abgrund des Misstrauens, ein <a href="Paranoia" title="Paranoia">paranoider</a> Stil öffne, wenn das Ausmaß der Unwahrheit eine gewisse Schwelle überschreite.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Neurobiologie_pathologischer_Lügner"><span id="Neurobiologie_pathologischer_L.C3.BCgner"></span>Neurobiologie pathologischer Lügner</h3></div>
<p>Nach einer Studie der <a href="University_of_Southern_California" title="University of Southern California">Universität Südkalifornien</a> haben <a href="Pathologie" title="Pathologie">pathologische</a> Lügner eine veränderte <a href="Gehirn" title="Gehirn">Hirnstruktur</a>. Sie haben einen größeren Anteil von der für Informationsübermittlung zuständigen <a href="Wei%C3%9Fe_Substanz" title="Weiße Substanz">weißen Substanz</a> im <a href="Pr%C3%A4frontaler_Cortex" title="Präfrontaler Cortex">präfrontalen Cortex</a> als gesunde Vergleichspersonen und einen geringeren Anteil von <a href="Graue_Substanz" title="Graue Substanz">grauer Substanz</a>, die für Informationsverarbeitung zuständig ist.<sup id="cite_ref-3sat_12-0" class="reference"><a href="#cite_note-3sat-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Verhalten_während_des_Lügens"><span id="Verhalten_w.C3.A4hrend_des_L.C3.BCgens"></span>Verhalten während des Lügens</h3></div>
<p>Es gibt äußerlich sichtbare, aber nicht eindeutige Anzeichen dafür, dass jemand lügt. Sie beruhen auf <a href="Unbewusst" class="mw-redirect" title="Unbewusst">unbewussten</a> Verhaltensänderungen, die durch <a href="Stress" title="Stress">Stress</a> hervorgerufen werden, und unterscheiden sich teilweise von Mensch zu Mensch. Manche Verhaltensweise ist ambivalent – manche Menschen meiden Blickkontakt, wenn sie lügen, andere suchen diesen geradezu, um zu prüfen, ob die Lüge geglaubt wird. Deshalb ist es selbst für <a href="L%C3%BCgendetektor" title="Lügendetektor">Lügendetektoren</a> und geübte Personen nicht zuverlässig möglich, herauszufinden, ob jemand lügt.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Selbst wenn man Lügen erkennt, ist nicht zu erkennen, welcher Teil einer Aussage falsch ist und erst recht nicht, was die Wahrheit ist.
</p><p>Folgende nicht eindeutige Handlungen und Merkmale können Anzeichen einer Lüge sein:
</p>
<table cellpadding="10" cellspacing="&quot;3">
<tbody><tr>
<td valign="top">
<ul><li>Augenbewegung
<ul><li>Meidung von <a href="Blickkontakt" title="Blickkontakt">Blickkontakt</a> zum Gesprächspartner</li>
<li>Verdrehen der Augen</li>
<li>häufigeres Blinzeln</li>
<li>Augen beim Blinzeln länger geschlossen</li>
<li>weniger häufige Augenbewegungen (starrer Blick)</li>
<li>vergrößerte <a href="Pupille" title="Pupille">Pupillen</a></li></ul></li></ul>
</td>
<td valign="top">
<ul><li>Körpersprache, Gestik und <a href="Mimik" title="Mimik">Mimik</a>
<ul><li>verschränkte Arme</li>
<li>Arme und Beine werden weniger bewegt</li>
<li>Kratzen im Gesicht, oft an der Nase</li>
<li>Rötung des Gesichts</li>
<li>Lecken der Lippen</li>
<li>Seitwärtsbewegung (Wanken) mit dem Oberkörper, wenn man zu sprechen beginnt</li>
<li>Lächeln, auch wenn es nicht zur Situation passt</li>
<li>Auswärtsdrehen der Handflächen</li>
<li>übersteigerter Ausdruck (meist im Gesicht, z.&nbsp;B. Runzeln der Stirn)</li></ul></li></ul>
</td>
<td valign="top">
<ul><li>Sprache und Stimme
<ul><li>Inhalt des Textes und <a href="Mimik" title="Mimik">Mimik</a> passen nicht zueinander (z.&nbsp;B. „Nein“ sagen und Nicken)</li>
<li>Zögern („Also, also, ähhh, also …“)</li>
<li>Abweichen vom gewohnten Sprachmuster</li>
<li>Komplexe Sätze können auf nochmaliges Nachfragen genauso wiedergegeben werden</li>
<li>hohe Tonlage der Stimme</li></ul></li></ul>
</td></tr></tbody></table>
<p>Die oben genannten Verhaltensweisen sind Anzeichen von <a href="Stress" title="Stress">Stress</a>, der nicht in jedem Fall auf eine Lüge zurückzuführen ist. Ängstliche oder nervöse Personen zeigen ähnliche Auffälligkeiten. Je mehr Indikatoren jedoch beobachtet werden können, desto wahrscheinlicher wird eine korrekte Lügenerkennung. Die Kriterien sind aussagekräftiger, wenn sie an bekannten üblichen Verhaltensweisen der Person unter normalen Umständen gemessen werden.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="Pseudologie" title="Pseudologie">Pseudologie</a></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Religion">Religion</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Bibel,_Christentum_und_Judentum"><span id="Bibel.2C_Christentum_und_Judentum"></span>Bibel, Christentum und Judentum</h3></div>
<p>In der Bibel wird der <a href="Teufel" title="Teufel">Teufel</a> als „Vater der Lüge“ (<a href="Evangelium_nach_Johannes" title="Evangelium nach Johannes"><span style="white-space:nowrap;">Joh</span></a> 8,44&nbsp;) bezeichnet, weil er <a href="Adam_und_Eva" title="Adam und Eva">Eva</a> gegenüber im <a href="Garten_Eden" title="Garten Eden">Garten Eden</a> die erste Lüge der Menschheitsgeschichte geäußert haben soll, die dann zum <a href="S%C3%BCndenfall" title="Sündenfall">Sündenfall</a> führte. Im <a href="2._Buch_Mose" class="mw-redirect" title="2. Buch Mose">2. Buch Mose</a> steht: „Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.“ (<style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261921330">
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</style><span class="Person"><a href="Exodus_(Bibel)" title="Exodus (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Ex</span></a> 20,16&nbsp;</span>), im <a href="5._Buch_Mose" class="mw-redirect" title="5. Buch Mose">5. Buch Mose</a> steht: „Du sollst nicht Falsches gegen deinen Nächsten aussagen“. Also das Verbot der gerichtlichen Falschaussage, was in <a href="Christentum" title="Christentum">Christentum</a> und <a href="Judentum" title="Judentum">Judentum</a> weithin als generelles Verbot der Lüge interpretiert wird. Lügenreden benennt <a href="Jesaja" title="Jesaja">Jesaja</a>, ein <a href="Prophetie" title="Prophetie">Prophet</a> des <a href="Altes_Testament" title="Altes Testament">Alten Testaments</a>, als böse <a href="Werkzeug" title="Werkzeug">Werkzeuge</a> des <a href="Schurke" title="Schurke">Schurken</a>: „Und die Werkzeuge des Schurken sind böse: er beschließt böse Anschläge, um die Elenden durch Lügenreden zugrunde zu richten, selbst wenn der Arme redet, was Recht ist.“ (<span class="Person"><a href="Jesaja" title="Jesaja"><span style="white-space:nowrap;">Jes</span></a> 32,7&nbsp;</span>). Biblisch gesehen missfällt dem Gott Israels die Lüge und er unterscheidet zwischen Gut und Böse.
</p><p>Jesaja warnt: „Weh denen, die das Unrecht herbeiziehen mit Stricken der Lüge und die Sünde mit Wagenseilen und sprechen: Er lasse eilends und bald kommen sein Werk, dass wir's sehen; es nahe und treffe ein der Ratschluss des Heiligen Israels, dass wir ihn kennen lernen!“ (<span class="Person"><a href="Jesaja" title="Jesaja"><span style="white-space:nowrap;">Jes</span></a> 5,18-19&nbsp;</span>) und „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!“ (<span class="Person"><a href="Jesaja" title="Jesaja"><span style="white-space:nowrap;">Jes</span></a> 5,20&nbsp;</span>).
</p><p>Das <a href="Buch_der_Spr%C3%BCche" class="mw-redirect" title="Buch der Sprüche">Buch der Sprüche</a> warnt vor falschem Gewinn erworben durch Lüge: „Wer Schätze erwirbt mit verlogener Zunge, jagt nach dem Wind, er gerät in die Schlingen des Todes.“ (<span class="Person"> <a href="Buch_der_Sprichw%C3%B6rter" title="Buch der Sprichwörter"><span style="white-space:nowrap;">Spr</span></a> 21,6&nbsp;</span>). Als eine Eigenschaft des Gerechten benennt das Buch der Sprüche die starke Abneigung gegen Lüge: „Der Gerechte ist der Lüge Feind; aber der Gottlose handelt schimpflich und schändlich.“ (<span class="Person"> <a href="Buch_der_Sprichw%C3%B6rter" title="Buch der Sprichwörter"><span style="white-space:nowrap;">Spr</span></a> 13,5&nbsp;</span>).
</p><p>Es ist aber auch festzustellen, dass in manchen Texten die Lüge nicht prinzipiell abgelehnt wird. Besonders auffällig ist die dreifach überlieferte „Gefährdung der Ahnfrau“ (<span class="Person"><a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 12,10-20&nbsp;</span>): hier sichert die Lüge des Stammvaters <a href="Abraham" title="Abraham">Abraham</a> bzw. <a href="Isaak" title="Isaak">Isaak</a> das Überleben des Gottesvolkes. In Gen 27 erlistet Jakob durch eine Reihe von Lügen den väterlichen Segen, ohne dass das negativ bewertet würde; ähnlich Gen 38 , wo die mit der Vorspiegelung falscher Tatsachen arbeitende <a href="Tamar_(biblische_Person)" class="mw-redirect" title="Tamar (biblische Person)">Tamar</a> ausdrücklich als „gerecht“ dargestellt wird. Die Bibel geht also davon aus, dass Lügen unter bestimmten Umständen geradezu nötig sind.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Islam">Islam</h3></div>
<p>Im Allgemeinen ist Lügen im <a href="Islam" title="Islam">Islam</a> nicht erlaubt und wird als verwerflich betrachtet. Ausnahmen gibt es, um Leute miteinander zu versöhnen und bei Erzählungen zwischen Ehemann und Ehefrau,<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> außerdem ist es <a href="Schia" title="Schia">Schiiten</a> unter bestimmten Bedingungen gestattet, ihren Glauben zu verleugnen, siehe dazu genauer den Artikel <a href="Taqiyya" class="mw-redirect" title="Taqiyya">Taqiyya</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Buddhismus">Buddhismus</h3></div>
<p>Im <a href="Buddhismus" title="Buddhismus">Buddhismus</a> wird aus dem Ideal der Leidvermeidung folgend das Lügen als verbale Äußerung negativ bewertet, da es den kausalen Ablauf der Dinge willkürlich beeinflusst, aber schlussendlich nicht von Dauer sei.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Lügen wird im <a href="Pali-Kanon" title="Pali-Kanon">Pali-Kanon</a>, einer Sammlung von Lehrreden des <a href="Siddharta_Gautama" class="mw-redirect" title="Siddharta Gautama">historischen</a> <a href="Buddha" title="Buddha">Buddhas</a>, mehrfach genannt, unter anderem:
</p>
<ul><li>In den <a href="F%C3%BCnf_Silas" title="Fünf Silas">fünf Silas</a> – Regeln zur Sittlichkeit (pali <i>sīla</i>). An vierter Stelle solle man (<i>musāvādā veramani sikkhāpadaṃ samādiyāmi</i>) vom Lügen abstehen im Sinne des bewussten Aussprechens von Unwahrheit.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Im dritten Glied des <a href="Edler_Achtfacher_Pfad" class="mw-redirect" title="Edler Achtfacher Pfad">Edlen Achtfachen Pfades</a>, welcher an die <a href="Vier_Edle_Wahrheiten" class="mw-redirect" title="Vier Edle Wahrheiten">vierte Edle Wahrheit</a> anknüpft. Als Teil der dort definierten rechten Rede solle man „Lüge vermeiden, Verleumdung vermeiden, barsche Worte vermeiden […]“.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Philosophie">Philosophie</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Augustinus">Augustinus</h3></div>
<p><a href="Augustinus" class="mw-redirect" title="Augustinus">Augustinus</a> geht in seiner Argumentation von der These vom natürlichen Sprachzweck aus, nach der die Sprache dazu bestimmt ist, die Gedanken mitzuteilen. In der Lüge wird dieser natürliche Sprachzweck gestört. Augustinus lehnt deswegen jede Lüge kategorisch ab und macht auf den Selbstwiderspruch der Lüge aufmerksam: Lüge muss, um erfolgreich zu sein, das Vertrauen in die <a href="Wahrheit" title="Wahrheit">Wahrheit</a> menschlicher Rede voraussetzen, das sie zugleich zerstört. Augustinus betrachtet Lüge als eine Sünde, bezeichnet sie als den Tod der Seele und betont den langfristigen Schaden, der durch Lügen entsteht. Nicht einmal solche Lügen sind erlaubt, die eine schwerere Sünde (wie zum Beispiel Mord) zu verhindern suchen: Das Rechnen mit der möglichen <a href="S%C3%BCnde" title="Sünde">Sünde</a> des anderen erweitert den fiktiven Verantwortungsbereich des Einzelnen ins Grenzenlose und ist deswegen unzulässig. Außerdem gibt es für Augustinus kein höheres Gut als die Wahrheit und deswegen ist Lügen immer unzulässig, weil die Wahrheit auch dann Vorrang hat, wenn durch sie beispielsweise ein menschliches Leben bedroht wird.
Augustinus räumt ein, dass es schwerere und leichtere Lügen gibt. Während das Lügen in Glaubenssachen und Lügen, die anderen Schaden zufügen wollen, besonders schwere Sünden darstellen, handelt es sich im Fall von Nutz- und Scherzlügen nur um leichtere Sünden. Der Charakter der Sünde bleibt jedoch bei jeder Lüge erhalten.
</p><p>Bei der Interpretation der Lügengeschichten des Alten Testaments (z.&nbsp;B. <a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 27,1-40&nbsp;; <a href="Exodus_(Bibel)" title="Exodus (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Ex</span></a> 1,19&nbsp;; <a href="Genesis_(Bibel)" title="Genesis (Bibel)"><span style="white-space:nowrap;">Gen</span></a> 20,2-13&nbsp;) weist Augustinus’ Argumentation Selbstwidersprüche auf, weil er doch einige Lügen als zulässig ansieht.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Thomas_von_Aquin">Thomas von Aquin</h3></div>
<p>Die Gedanken <a href="Thomas_von_Aquin" title="Thomas von Aquin">Thomas von Aquins</a> über die Lüge weisen zahlreiche Übereinstimmungen mit der Theorie des Augustinus auf. Genauso wie Augustinus geht auch Thomas in seiner Argumentation vom natürlichen Sprachzweck aus und kommt zum Schluss, dass jede Lüge einen sündhaften Charakter hat. Lüge zersetzt die Einheit von Erkennendem und Sein und verhindert somit das Glück, das an sich Erkenntnis und Austausch von Wahrheit ist. Thomas führt den Begriff der Wahrhaftigkeit ein, die er als eine Tugend betrachtet, die durch andere Tugenden wie z.&nbsp;B. Klugheit oder Liebe im Lot gehalten werden soll. Kluges Verschweigen und zweideutige Rede sind als leichte Sünden, die den Menschen nicht vom wahren Ziel abhalten, zulässig. Als völlig unzulässig betrachtet Thomas genauso wie Augustinus die willentliche Irreführung in Glaubenssachen, also Lügen bezüglich Erkenntnisinhalten, die die Gotteserkenntnis betreffen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Kant">Kant</h3></div>
<p>Nach <a href="Immanuel_Kant" title="Immanuel Kant">Kant</a> ist Wahrhaftigkeit eine Rechtspflicht, die ihrem Wesen nach keine Ausnahme verträgt (siehe auch <a href="Die_Metaphysik_der_Sitten" title="Die Metaphysik der Sitten">Die Metaphysik der Sitten</a>).
„Alle rechtlich-praktischen Grundsätze müssen strenge Wahrheit enthalten.“ (<span class="Person">Immanuel Kant: <a href="Immanuel_Kant#Akademieausgabe" title="Immanuel Kant">AA</a> <span style="display:none;" class="sortkey">000008</span>VIII, 430<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></span>)
Daraus folgt aber, dass es in keinem denkbaren Anwendungsfall eine Ausnahme geben kann: Wenn es ein Lügenverbot gibt, gilt es in jedem Fall. Allerdings besitzt der Mensch eine natürliche Neigung zur Lüge:
„Die Lüge […] ist der eigentliche faule Fleck in der menschlichen Natur.“ (<span class="Person">Immanuel Kant: <a href="Immanuel_Kant#Akademieausgabe" title="Immanuel Kant">AA</a> <span style="display:none;" class="sortkey">000008</span>VIII, 422<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></span>)
Das Lügenverbot gilt, da Wahrhaftigkeit eine Bedingung der Selbstverpflichtung ist und daher Bestandteil der Rechtsquelle:
„[Die Lüge] schadet jederzeit einem Anderen, wenn gleich nicht einem andern Menschen, doch der Menschheit überhaupt, indem sie die Rechtsquelle unbrauchbar macht.“ (<span class="Person">Immanuel Kant: <a href="Immanuel_Kant#Akademieausgabe" title="Immanuel Kant">AA</a> <span style="display:none;" class="sortkey">000008</span>VIII, 426<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></span>)
Selbst eine Lüge, die keinem Betroffenen unmittelbar schadet oder in der konkreten Situation einen Vorteil verschafft, ist also verboten, da sie immer die Menschheit im Allgemeinen schädigt.
</p><p>In kurzgefasster Form findet man Kants scharfe Ablehnung jeder Art von Lüge auch im Aufsatz <i><a href="%C3%9Cber_ein_vermeintes_Recht_aus_Menschenliebe_zu_l%C3%BCgen" title="Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen">Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen</a></i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Nietzsche">Nietzsche</h3></div>
<p>Die besondere Position <a href="Friedrich_Nietzsche" title="Friedrich Nietzsche">Nietzsches</a> lautet: „Wer nicht lügen kann, weiß nicht, was Wahrheit ist“ (<span class="Person">Nietzsche</span>: <i><a href="Also_sprach_Zarathustra" title="Also sprach Zarathustra">Also sprach Zarathustra</a></i>). In seiner Schrift <i>Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne</i> von 1873 betrachtet er die Problematik der Wahrhaftigkeit anhand einer <a href="Genealogie" title="Genealogie">Genealogie</a> der Sprache: Da jedes Wort selbst eine Ungenauigkeit und damit eine Unwahrheit darstellt, kann Sprache kein Fundament der Wahrheit sein. Nietzsche weist darauf hin, dass demnach der Gebrauch von Worten in konventioneller Weise keine Wahrheit enthält. Da Menschen jedoch gesellschaftliche Wesen sind und ihre Sprache darum traditionellen Mustern folgen muss, besteht Wahrhaftigkeit in der moralischen „Verpflichtung, nach einer festen Konvention zu lügen“. „Die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind, Münzen, die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht mehr als Münzen, in Betracht kommen.“ (<span class="Person">Nietzsche</span>: <i>„Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“</i>)<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Soziologie">Soziologie</h2></div>
<p>Der österreichische Migrationssoziologe <a href="Peter_Stiegnitz" title="Peter Stiegnitz">Peter Stiegnitz</a> propagiert für die Erforschung des Lügenverhaltens eine neue Disziplin, die er <a href="Mentiologie" class="mw-redirect" title="Mentiologie">Mentiologie</a> nennt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Symbolik_für_Lügen"><span id="Symbolik_f.C3.BCr_L.C3.BCgen"></span>Symbolik für Lügen</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Lange_Nase">Lange Nase</h3></div>
<p><a href="Pinocchio" title="Pinocchio">Pinocchios</a> kurze, spitze Holznase wird länger, wenn er unter Stress steht, speziell wenn er lügt. Seine Nase, die bei jeder Lüge beträchtlich wächst, verrät ihn und bringt ihn letztlich vom Lügen ab. Mit der wachsenden Bekanntheit dieser Kinderbuchfigur (seit 1881) verbreitete sich auch die Bekanntheit der „langen Nase“ als Symbol für eine Lüge, besonders in der Kindererziehung.
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Pinocchio</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Pinocchios lange Lügennase</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Mariano_Rajoy" title="Mariano Rajoy">Mariano Rajoy</a> mit langer Lügennase</div>
</li>
</ul>
<div style="clear:both;"></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Nudeln_über_die_Ohren"><span id="Nudeln_.C3.BCber_die_Ohren"></span>Nudeln über die Ohren</h3></div>
<p>Ein geläufiges Symbol für Lügen in der <a href="Russische_Sprache" title="Russische Sprache">russischen Sprache</a> ist die relativ alte Redewendung „Nudeln über die Ohren hängen“ (russ.: вешать лапшу на уши; wéschat lapschú na úschi; IPA [ˈvʲeʂətʲ ɫɐˈpʂu ˈna ʊʂɨ]) bedeutet „belogen worden zu sein“, „jemanden hinters Licht führen“, es bezeichnet eine freche Lüge, eine absichtliche Irreführung oder einen Betrug. Beispiel: „Sie haben ihm damals Nudeln über die Ohren gehängt.“ = „Sie haben ihm damals die Hucke vollgelogen.“ Charakterisiert wird mit dieser Symbolik nicht der Sender der Lüge, sondern der Empfänger der Lüge. Die Redewendung wird eher im familiären Sprachgebrauch im freundlichen Umgang mit Bekannten verwendet, so etwa in der Tonart wie: „Warum erzählst du mir hier eins vom Pferd?“ (= Unsinn erzählen = lügen).
</p><p>Diese Redewendung wurde im russischen Sprachraum zum <a href="Meme_(Kulturph%C3%A4nomen)" title="Meme (Kulturphänomen)">Meme</a>. Die belogene Person wird auf Bildern typischerweise mit Spaghetti dargestellt, die ihm reichlich über beide Ohren gehängt wurden. Diese im Alltag verwendete Redewendung soll der Bezichtigung einer Lüge einen ironischen Touch verleihen.
Um die Bildaussage noch zu verstärken, wenn der Empfänger so richtig dick belogen wurde, dass sich die Balken biegen, kann die Darstellung noch mit einer Riesenportion Spaghetti auf dem Kopf dargestellt werden, die ihm wie Haare herunterhängen. Sprachlich gibt es jedoch keine standardisierte Ausdrucksweise, um die Aussage noch zu verstärken.
</p><p>Gelegentlich wird der Sender der Lüge mit einer Hand voll ober beiden Händen voll Spaghetti dargestellt, sprachlich ausgedrückt: „Er hängt ihnen Nudeln über die Ohren.“ Das löst beim Betrachter die Assoziation aus, dass er diese Spaghetti gleich jemandem über „die Ohren hängen wird.“
Die Symbolik der Lüge in der russischen Redewendung bezieht sich meist auf den Empfänger, weshalb die Übersetzung „belogen worden zu sein“ im wörtlichen, engeren Sinn genauer ist, als die Übersetzung „jemanden schamlos belügen“. Gelegentlich wird das „Nudeln-über-die-Ohren-Hängen“ auch einfach nur mit einer dezenten, pantomimischen Handgeste angedeutet.
</p><p>Für den Ursprung der Redewendung gibt es mehrere unbelegte Hypothesen.
</p>
<ul><li>1.) Es gibt eine Version, dass dieser Satz von dem französischen Wort „la poche“ (Tasche) stammt. Mit diesem Wort wurden Taschendiebe bezeichnet. Und angesichts der Tatsache, dass „la poche“ in der russischen Transkription als „ла пош“ („la posch“) ausgesprochen wird, wurde darüber spekuliert, dass die Redewendung über das russische Verb <i>облапошить</i> (oblaposchit, IPA [ɐbɫɐˈpoʂɨtʲ]; deutsch: betrügen, beschwindeln, narren) Eingang in die russische Sprache gefunden hat, weil sich das französische „la poche“ (Tasche) allmählich zum russischen лапшу (lapschu; Nudeln) verschliffen hat. Der Zusammenhang mit den Ohren ist dann naheliegend, weil wir Informationen von anderen Personen mit den Ohren wahrnehmen – auch wenn sie nicht wahr sind. Besonders Lügenkonstrukte werden eher mit den Ohren und weniger mit den Augen vermittelt und wahrgenommen, abgesehen von gelesenen Lügen-Texten, Bildfälschungen und Zauberkünstlern.</li>
<li>2.) Nach einer weiteren Version über den Ursprung der Redewendung wurde der Ausdruck durch den Jargon der Verbrecher und Diebe verbreitet – russische <a href="Gaunersprache" title="Gaunersprache">Gaunersprache</a>, historisch <i>Fenya</i> (russ. „феня“), moderner <i>Blat</i> (russ. „блат“). In diesen Kreisen wurde Mitte des 20. Jahrhunderts als „Ohr“ ein Mann bezeichnet, der Informationen sammelt, auf der Straße lauschte und die notwendigen Informationen an den Anführer der Gauner weitergab. Als „Nudeln“ bezeichnete man ein Seil, das dazu bestimmt war, die Hände zu fesseln. Die codierte Redewendung „Nudeln an den Ohren zu hängen“ bedeuteten also ein Mitglied („Ohr“) einer Diebesbande zu fesseln (Nudel), also zu fangen und zu entwaffnen.</li>
<li>3.) Die russische Gaunersprache stützt eine weitere Hypothese: „jemandem seine Lauscherohren verstopfen“ = ihn in die Irre führen. <i>Lapscha</i> (лапша) kann nicht nur Nudel bedeuten, sondern in der phantasievollen Gaunersprache auch für alles Mögliche mit länglicher Form stehen, beispielsweise ein Draht oder ein Stück Stoff. Jemandem „mit Nudeln die Ohren behängen“ bedeutet dann „jemanden der lauscht in die Irre führen“.</li>
<li>4.) Die Hauptbedeutung für <i>Lapscha</i> (лапша) in der russ. Gaunersprache ist aber <i>Strafproszess</i>. Dann ist die Redewendung zu verstehen, als „jemandem ein erfundenes Strafverfahren anzuhängen“.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Anführungszeichen"><span id="Anf.C3.BChrungszeichen"></span>Anführungszeichen</h3></div>
<p>Um eine Aussage als mögliche Lüge zu charakterisieren, kann auch das Wörtchen „sogenannt“ eingefügt werden. In der mündlichen Rede wird dieses „sogenannt“ durch die <a href="Anf%C3%BChrungszeichen#Anführungszeichen_als_Handgeste" title="Anführungszeichen">Geste von Anführungszeichen</a> dargestellt, indem der Sprecher mit beiden erhobenen Händen während seiner relativierten, zweifelhaften Aussage die Anführungsstriche zu beiden Seiten des Kopfes mit Zeige- und Mittelfinger in die Luft „schreibt“. Mit diesen „Anführungszeichen“ wird die dabei getätigte Aussage als nicht wirklich zutreffend, bzw. als irreführend charakterisiert. Diese ursprünglich in den USA verbreitete Geste hat in den letzten Jahrzehnten auch im deutschen Sprachraum Verbreitung gefunden. Die Geste der Anführungsstriche und das Wörtchen „sogenannt“ als Ausdrucks des Zweifels an der Aussage, charakterisiert die getätigte Aussage nicht unbedingt so direkt und stark als Lüge, wie Pinocchios lange Nase oder die Nudeln über den Ohren in der russischen Sprache. Dieses im Englischen <i>air quote</i> (Luftzitat oder Luftanführungszeichen), poetisch auch doppelte Häschenfinger genannte Handzeichen kann Euphemismus, Ironie oder Sarkasmus ausdrücken.
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">air quotes</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><a href="Michelle_Obama" title="Michelle Obama">Michelle Obama</a></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Redner auf einer Konferenz</div>
</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Sand,_Bär,_Beine,_Münchhausen,_Seemannsgarn"><span id="Sand.2C_B.C3.A4r.2C_Beine.2C_M.C3.BCnchhausen.2C_Seemannsgarn"></span>Sand, Bär, Beine, Münchhausen, Seemannsgarn</h3></div>
<p>Eine weitere <a href="Redensart" title="Redensart">Redensart</a>, die ein dem Lügen oder auch Täuschen nahekommendes Vorgehen bezeichnen ist: „Sand in die Augen streuen“ und <a href="Augenwischerei" title="Augenwischerei">Augenwischerei</a>.
</p><p>Die Redewendung „jemandem einen Bären aufbinden“ drückt auch aus, das jemand belogen oder getäuscht wird. Die wahrscheinlichste Herleitung ist die von der germanischen Wortwurzel <i>bar-</i>. Sie stand für tragen. Später wusste man nicht mehr, dass bar für Last stehen sollte und deutete es volksetymologisch zu Bär um, was jedoch auch keine klar verständliche Aussage brachte. In der Folge hat der Volksmund sich eine Reihe von Geschichtchen und Anekdoten überlegt, die die Redewendung erklären sollen. Eine davon handelt von Jägern, die in einer Wirtschaft einkehren, die verzehrten Speisen und Getränke jedoch nicht bezahlen können. Sie überzeugen den Wirt schließlich, einen Bären als Pfand anzunehmen. Erst nachdem die Jäger schon das Weite gesucht haben, bemerkt der Wirt seinen schlechten Tausch und fragt sich, was er mit einem lebenden Bären soll.<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Eine andere Quelle nimmt in ihrer Erklärung der Redewendung Bezug darauf, dass es nicht möglich ist, jemandem einen Bären auf den Rücken zu binden, ohne dass er etwas bemerkt.<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Redensart „Lügen haben kurze Beine“ weist darauf hin, dass man mit Lügen nicht weit kommt. Seinen Ursprung hat diese Redewendung in der Annahme, dass man mit kurzen Beinen rasch ermüdet, und so sein Ziel wohl nicht erreicht. Mit anderen Worten: Lügen lohnt sich nicht, weil die Wahrheit irgendwann doch herauskommt.
</p><p>Lügenbaron <a href="Baron_M%C3%BCnchhausen" class="mw-redirect" title="Baron Münchhausen">Baron Münchhausen</a> mit seinen Lügengeschichten,<sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> mit Übergängen von phantasievollen Ausschmückungen (<a href="Fabulieren" title="Fabulieren">Fabulieren</a>) über Übertreibungen bis zur Lüge. Da diese Lügen als solche leicht zu durchschauen sind, werden sie auch entschuldigend und mildern als Flunkern (nicht ganz bei der Wahrheit bleiben) oder Aufschneiden bezeichnet. Eine gewisse Analogie hat das „<a href="Seemannsgarn" title="Seemannsgarn">Seemannsgarn</a> spinnen“, womit zweifelhafte Geschichten oder Übertreibungen bezeichnet werden, die nicht weit vom Lügen entfernt sind. Bei Kindern kann neben der knallharten Lüge eine solche auch auf <a href="Magisches_Denken" title="Magisches Denken">magischem Denken</a> beruhen, das im Rahmen der kindlichen Entwicklung der Phantasiewelt des Kindes entspringt.
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Ritt auf der Kanonenkugel</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Lügen haben kurze Beine</div>
</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Augenwischerei" title="Augenwischerei">Augenwischerei</a></li>
<li><a href="Doppelmoral" title="Doppelmoral">Doppelmoral</a></li>
<li><a href="Heuchelei" title="Heuchelei">Heuchelei</a></li>
<li><a href="Lebensl%C3%BCge" title="Lebenslüge">Lebenslüge</a></li>
<li><a href="L%C3%BCgenmuseum" title="Lügenmuseum">Lügenmuseum</a></li>
<li><a href="L%C3%BCgner-Paradox" title="Lügner-Paradox">Lügner-Paradox</a></li>
<li><a href="Othello-Effekt" title="Othello-Effekt">Othello-Effekt</a></li>
<li><a href="Recht_auf_L%C3%BCge" title="Recht auf Lüge">Recht auf Lüge</a></li>
<li><a href="Seemannsgarn" title="Seemannsgarn">Seemannsgarn</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
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<li>Fritz Pasierbsky: <i>Lügensprecher – Ehebrecher – Mordstecher. Warum wir nicht lügen sollen und es doch nicht lassen können</i>. Frankfurt am Main 1996.</li>
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<li><a href="Volker_Sommer" title="Volker Sommer">Volker Sommer</a>: <i>Lob der Lüge. Täuschung und Selbstbetrug bei Tier und Mensch.</i> München 1992, ISBN 3-423-30415-4.</li>
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<li><a href="Roger_Willemsen" title="Roger Willemsen">Roger Willemsen</a>, <a href="Traudl_B%C3%BCnger" title="Traudl Bünger">Traudl Bünger</a>: <i>„Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort.“ Die Weltgeschichte der Lüge.</i> Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-030140-6.</li>
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<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/L%C3%BCge" class="extiw external" title="wikt:Lüge">Wiktionary: Lüge</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size skin-invert-image" typeof="mw:File"><span title="Wikiquote"></span></span></div><b><a href="https://de.wikiquote.org/wiki/L%C3%BCge" class="extiw external" title="q:Lüge">Wikiquote: Lüge</a></b>&nbsp;– Zitate </div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Lies?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Lies</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
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<li>Alexa Wilke:&nbsp;<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/25176"><span style="font-style:italic;">Lüge / Lügen.</span></a> In: <a href="Michaela_Bauks" title="Michaela Bauks">Michaela Bauks</a>, <a href="Michael_Pietsch_(Theologe)" title="Michael Pietsch (Theologe)">Michael Pietsch</a>, <a href="Stefan_Alkier" title="Stefan Alkier">Stefan Alkier</a> (Hrsg.): <i><a href="Das_wissenschaftliche_Bibellexikon_im_Internet" title="Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet">Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet</a></i> (WiBiLex), Stuttgart September 2018, abgerufen am 2.&nbsp;Oktober 2023.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Jeannette_Schmid" title="Jeannette Schmid">Jeannette Schmid</a>: <i>Lügen im Alltag. Zustandekommen und Bewertung kommunikativer Täuschungen.</i> Münster 2000.</span>
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.mw-parser-output .webarchiv-memento a{color:inherit}


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<li id="cite_note-21"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-21">↑</a></span> <span class="reference-text">Immanuel Kant, <i>Gesammelte Schriften.</i> Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., <a rel="nofollow" class="external text" href="https://korpora.org/kant/aa08/422.html">AA <span style="display:none;" class="sortkey">000008</span>VIII, 422</a>&nbsp;/ <i>Verkündigung des nahen Abschlusses eines Tractats zum ewigen Frieden in der Philosophie</i>, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k255437/f432.image">Faksimile</a></span>
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<li id="cite_note-22"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-22">↑</a></span> <span class="reference-text">Immanuel Kant, <i>Gesammelte Schriften.</i> Hrsg.: Bd. 1–22 Preussische Akademie der Wissenschaften, Bd. 23 Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, ab Bd. 24 Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Berlin 1900ff., <a rel="nofollow" class="external text" href="https://korpora.org/kant/aa08/426.html">AA <span style="display:none;" class="sortkey">000008</span>VIII, 426</a>&nbsp;/ <i>Über ein vermeintes Recht aus Menschenliebe zu lügen</i>, <a rel="nofollow" class="external text" href="https://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k255437/f436.image">Faksimile</a></span>
</li>
<li id="cite_note-23"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-23">↑</a></span> <span class="reference-text">Sämtliche Werke, Band 7.1, <i>Unzeitgemäße Betrachtungen.</i> Stuttgart 1976, ISBN 3-520-07106-1, S. 611.</span>
</li>
<li id="cite_note-24"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-24">↑</a></span> <span class="reference-text">Klaus Müller (Hrsg.): Lexikon der Redensarten. Herkunft und Bedeutung deutscher Redewendungen. Bassermann Verlag, München 2005, ISBN 3-8094-1865-X, Seite 46</span>
</li>
<li id="cite_note-25"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-25">↑</a></span> <span class="reference-text">Dudenredaktion (Hrsg.): Duden, Redewendungen. Wörterbuch der deutschen Idiomatik. In: Der Duden in zwölf Bänden. 2., neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Band 11, Dudenverlag, Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 2002, ISBN 3-411-04112-9, Seite 92</span>
</li>
<li id="cite_note-26"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-26">↑</a></span> <span class="reference-text">Vgl. etwa <i>Lügen-Chronik oder Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande und lustige Abenteuer des Freiherrn v. Münchhausen.</i> Nach der Ausgabe von 1839. Harenberg, Dortmund (= <i>Die bibliophilen Taschenbücher.</i> Band 17).</span>
</li>
</ol>
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